Salat aus der Fabrik

Foto: unsplash.com

Schöne neue Lebensmittelwelt

Von Uli Drexelius

Delicious oder Deliscious?

Seitdem vor etwa 2 Jahren die erste Anfrage für den Bau einer Salatfabrik bekannt wurde, regt sich etwas in Wiesentheid und den Ortsteilen. Den Eindruck, den man bei den Gesprächen dabei gewinnen kann: die Menschen wollen so etwas bei sich nicht haben.

Auf einer Fläche von 17,8 ha (das entspricht etwa 25 Fußballfeldern auf Bundesliga Niveau) soll dort, wie die Betreiberfirma (deliscious.eu) auf ihrer Internetseite schön propagiert, „ein Salat, frischer als frisch, mit gleichbleibender Qualität in nachhaltigem Anbau“ produziert werden. Wie kann man trotzdem dagegen sein?

Wie so ein Anbau ausschaut, das kann man sich bei der Firma Philips Horticulture (ja, das ist die Firma mit den Glühbirnen) in einem Video anschauen. Dort sieht man, wie so ein Arbeitsalltag abläuft. Samen einsetzen, Keimung und Wachstum fördern, Vermehrung initiieren, in mehreren Schichten mittels LED Lichttechnik ideale Wachstumsbedingungen schaffen, in Klimazellen und im vollautomatischen Gewächshaus dann das Endprodukt wachsen lassen. Alles ganz toll!

Mindestens zwei Dinge fallen jedoch bei diesem Video auf: alles passiert in hermetisch abgeschotteten Räumen, um das Endprodukt vor Beeinträchtigung zu schützen und es wird kein einziger Mensch gezeigt, der an dem Prozess beteiligt ist. Uns als GRÜNE fällt da jedoch noch eine weitere Sache auf. Die Art der Herangehensweise dieser Bewirtschaftung ähnelt der bei der Massentierhaltung. Auch hier werden Produkte (Schweine, Hühner o.ä.) auf „optimierten Platzbedingungen“ meist vollautomatisch auf der Reise vom Samen (=Geburt) bis zum Endprodukt (=Schlachtung) in hermetisch abgeriegelten „Produktionsstätten“ häufig tage- oder wochenlang ohne Menschen gezüchtet.
Die Methode des Abschottens ist auch gewollt, weil wir als Menschen weder Tierleid sehen wollen, noch uns tiefer mit der Herstellung von Nahrungsmitteln beschäftigen möchten. Hier wird allzu gern der Staat mit seiner regulatorischen Wirkung bemüht. Soll der Staat doch machen! Soll der Staat sich darum kümmern!

Jetzt soll also so eine Salatfabrik nach Wiesentheid kommen. Wir als GRÜNE sind für den Erhalt der Fläche. Uns missfallen vor allem diese Punkte

  • Flächenversiegelung
    In den letzten 15 Jahren haben wir, trotz nahezu gleichbleibender Bevölkerungszahlen, fast das 1,5-fache an Fläche verbraucht. Immer mehr und immer schneller werden Gebiete zubetoniert. Wir werden immer häufiger mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Zahlreiche, niederschlagslose Wochen oder gar Monate sind gefolgt von regional wolkenbruchartigem Regen, der zu Problemen bei der Ableitung führt. Noch mehr Versiegelung von Fläche, zumal an diesem Standort, führt unweigerlich zu noch größeren Problemen.

  • keine Biolandwirtschaft
    Diese Art der industriellen Lebensmittelherstellung hat nichts zu tun mit der bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft wie wir GRÜNE sie ausbauen wollen. Nicht zuletzt das Volksbegehren „Artenvielfalt“ hat gezeigt, dass viele Menschen in Bayern dies genauso sehen wie wir.

  • kein Nutzen für die Gemeinde und die Region
    Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist in den meisten Fällen von der Gewerbesteuer befreit. Es kommen die Einnahmen nicht direkt dem Ort zugute, an dem die Produktionsstätten errichtet werden. Da es sich bei dem Betreiber um ein ausländisches Unternehmen handelt, ist zudem zu befürchten, dass für Deutschland nur sehr wenig Steuereinnahmen anfallen.
    Die Kunden dieser Unternehmen sind zumeist Einkaufsketten. Der Salat wird überregional verkauft und legt lange Transportwege zurück. Das widerspricht unserem Gedanken von regionalen Produkten und regionaler Vermarktung.

Dass es so weit gekommen ist, dass solche Unternehmen überhaupt Fuß fassen können, hat auch was mit der Art und Weise zu tun, wie wir unsere Ackerfläche systematisch in den letzten Jahrzehnten in der Verwendung verändert haben. Und überhaupt: Ackerfläche! Das heißt ja jetzt Wirtschaftsraum! Wenn immer mehr Fläche zur Energiegewinnung oder zum Anbau von Tierfutter bestellt wird, dann ist es nur logisch, dass diese Unternehmen die Lebensmittelproduktion dann übernehmen und ihre Daseinsberechtigung auch noch damit unterstreichen, dass sie viel effizienter und viel platzsparender sind. Die Frage ist nur: wollen wir diese Art der Produktion?

Die Jugend macht es vor

Wenn wir heutzutage wollen, dass sich etwas verändert, dann reicht es eben nicht mehr aus, sich einfach immer auf den Staat zu verlassen. Wir müssen uns ändern, natürlich auch in unserem Konsumverhalten. Viel wichtiger ist es jedoch, unsere Stimme auch einmal öffentlich zu erheben und den Verantwortlichen zu zeigen, dass wir für oder gegen etwas einstehen. Unsere Jugend zeigt momentan in der #Fridaysforfuture Bewegung, wie das gehen kann. In Umfragen finden über 90% der Befragten es gut, dass sich die Schüler für mehr Klimaschutz einsetzen. Der Punkt ist: die Jugendlichen bringen zum Ausdruck, was ihnen an der Gestaltung ihrer Zukunft nicht gefällt.

Wir unterstützen die Unterschriften-Aktion des Bürgerblocks Wiesentheid und sind der Meinung, dass wir so ein starkes Zeichen setzen können, dass Wiesentheid und seine Ortsteile sich für den Erhalt unserer Landschaft und Lebensgrundlagen einsetzen.

Setzen auch Sie ein Zeichen und beteiligen Sie sich mit Ihrer Unterschrift an der Aktion.

Flyer liegen aus bei:
  • EDEKA Wiesentheid
  • REWE Wiesentheid
  • Bäckerei Fackelmann

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